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Simon Fersch – Facharbeit

Abstraktion, Reduktion und Bewegung – Das Handy als Pinselersatz

Die Bilder wurden im Rahmen der Facharbeit im Leistungskurs Kunst (2009/11) angefertigt.

In Erinnerung an Simon Fersch.

Simon Fersch


...ein großartiger, wundervoller Mensch ist gegangen...

Blockhängung, Digitalprints, je 60x80 cm

Simon Fersch o1
Simon Fersch o2
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Simon Fersch o4
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Gedanken zur Arbeit (Auszüge aus dem theoretischen Teil)

... ich beschäftige mich mit der Fotografie als Kunstform, erstelle meine Fotografien jedoch nicht etwa mit einem normalen Fotoapparat oder einer professionellen Spiegelreflexkamera, sondern mit einem Handy mit gerade einmal 1,3 Megapixel. Ich wählte das Handy als mobilen Begleiter des modernen Menschen und nutzte es quasi als Pinsel zur Erschaffung meiner Kunstwerke. Das Handy wurde zu einem, mit dem von impressionistischen Malern ständig mitgeführten Material zur Anfertigung von Skizzen, vergleichbaren Wegbegleiter. Die künstlerische Betrachtungsweise meiner Umwelt, verbunden mit der leichten Handhabung der Handykamera zum schnellen Anfertigen von Fotos, ermöglichte mir einen sehr experimentellen Umgang mit meinen Fotografien und machte die Auswahl der Werke zu einem wichtigen Teil meines künstlerischen Schaffens.

1. Abstraktion

Ich erschuf durch die Nutzung des Negativs eine Art surreale Parallelwelt, in der eine Zuordnung der Elemente zu gleichwertigen Gegenstücken in der Realität sehr schwer fällt. Das erste Werk (...) [erste Reihe, Bild 1] ist ein gutes Beispiel für die Abstraktion in meinen Werken. Das Motiv dieser Fotografie ist eine Tiefgarageneinfahrt in der Stadt, welche ich in der Nacht mehrmals aus verschiedenen Blickrichtungen und Entfernungen fotografierte. Ich entschied mich für dieses Bild, da hier einerseits durch die Umkehrung der Farben starke Abstraktion erzeugt wird, andererseits das Motiv als solches bei genauerem Hinsehen noch recht gut zu erkennen ist. Des Weiteren begeisterten mich die nur sehr flüchtigen blauen Farben, die die Ästhetik des sonst sehr tristen Bildraums deutlich steigern. Die senkrechten Leuchtröhren wirken als zusätzlicher Blickfang für den Betrachter und verstärken zusammen mit der recht mittig im Bildraum befindlichen blauen Linie die räumliche Wirkung. Die digitale Umkehrung des Fotos bewirkt vor allem auch eine Umkehrung der emotionalen Stimmung des Bildes. Aus der engen, beklemmenden Tiefgarage wird für den Betrachter eine sehnsuchtsvolle Weite geschaffen. Sowohl durch die Abstraktion der Fotos, als auch durch die bewusst fehlende Betitelung der Arbeiten bleibt dem Betrachter die Möglichkeit der eigenen Sichtweise und Interpretation.

2. Reduktion

In meinem Werk ganz essentiell ist eine besondere Form der Abstraktion: die Reduktion. Es gibt unterschiedliche Methoden um Reduktion zu erreichen. Man kann zum Beispiel durch die Wahl eines extrem kleinen Ausschnitts eines Objekts das Bild stark reduzieren. Auch durch die Erstellung der meisten Bilder in der Nacht erreichte ich eine starke Reduktion auf einige wenige, zentrale, von sich aus leuchtende oder vom Lichtsmog unserer Gesellschaft beleuchtete Elemente. Verstärkt wird dieser Effekt durch die Nutzung des Negativs, welches das diffuse Schwarz der umgebenden Dunkelheit in ein neutrales Weiß verwandelt und so den wenigen, Bild bestimmenden Elementen den Platz und die Möglichkeit zum Wirken gibt. Dieser Effekt kommt beispielsweise auf dem zweiten Bild (...) [zweite Reihe, Bild 4] gut zur Geltung. Es entstand, als ich abends auf dem Weg nach Hause einen Fußgängerüberweg sah und von der Lichtwirkung dieser Szenerie sofort begeistert mit einer Fotoserie begann. Die radikale Reduktion des Bildes auf die wenigen Leuchtelemente wird durch das Piktogramm, als Beispiel für die universelle Verständlichkeit reduzierter Formen, aufgegriffen und verstärkt. Das stark vom Umraum abgegrenzte, rechteckige Verkehrszeichen findet seinen Widerspruch in den runden blauen Lichtkegeln der Lampen, die ins Weiße ausbleichen.

3. Bewegung

Durch die Bewegung des Handys während der Belichtung oder durch das Fotografieren bewegter Objekte erhielt ich Werke, die Bewegung als Lichtstreifen auf den Fotografien sichtbar machen. Bewegung stellt auch im übertragenen Sinn ein Element meiner Kunst dar, da keines meiner Bilder gestellt ist und jedes meiner Werke sowohl einen Augenblick der sich ständig verändernden Welt festhält, als auch einen Moment während meines fortschreitenden Weges durch das Leben zeigt. Das dritte Werk (...) [dritte Reihe, Bild 2] beispielsweise entstand während einer spätabendlichen Fahrt auf der Autobahn. Das Auto sowie das Handy sind Symbole für die Mobilität des modernen Menschen und Begleiter auf seinem Weg. Ich dehne diesen Moment, in dem sich mein Weg kurz mit dem des unbekannten Fahrers verbindet, ins Unendliche, indem ich die Lichter des vorbeifahrenden Autos fotografiere, und stelle so die der Fotografie innewohnende Statik der Geschwindigkeit des Augenblicks antithetisch gegenüber.