Wir können die Umwandlung eines instabilen Atomkerns als Bernoulli-Experiment betrachten:

Die Trefferwahrscheinlichkeit haben wir schon hergeleitet: \(P(t)=e^{-\lambda\cdot t}\)

Ausgehend von \(N_0\) Kernen zum Zeitpunkt \(t=0\), ist die Anzahl \(N(t)\) der zum Zeitpunkt \(t\) noch nicht zerfallenen Kerne die Anzahl der Treffer der Bernoulli-Kette mit Länge \(N_0\) und Treffer­wahrschein­lichkeit \(P(t)=e^{-\lambda\cdot t}\). Vorausgesetzt, jeder Kern zerfällt unabhänging von den anderen.

\(N(t)\) ist eine nach \(B(n=N_0;\,p=e^{-\lambda\cdot t})\) binomialverteilte Zufallsgröße.

Sie hat den Erwartungswert von der Zeit \(t\) abhängigen

\(E[N(t)]=n\cdot p=N_0\cdot e^{-\lambda\cdot t}\).

Wir erwarten also zum Zeitpunkt \(t\) im Mittel bei häufiger Wiederholung des Zufallsexperiments

\(N(t)=N_0\cdot e^{-\lambda\cdot t}\)

unzerfallene Kerne. Das ist das Zerfallsgesetz! 😀

🙄 Na toll. Das Zerfallsgesetz ist also nur eine statistische Abschätzung? Ja. Aber wegen der immens hohen Anzahl \(N\) von Kernen eine außerordentlich gute. Werfen wir einen Blick auf die Standard­abweichung \(\sigma\) der binomialverteilten Zufallsgröße \(N(t)\):

$$\sigma=\sqrt{n\cdot p\cdot (1-p)}=\sqrt{N_0\cdot e^{-\lambda\cdot t}\cdot (1-e^{-\lambda\cdot t})}$$

\(N(t)\) streut also stochastisch um den Erwartungswert:

$$N(t)=N_0\cdot e^{-\lambda\cdot t}\pm\sqrt{N_0\cdot e^{-\lambda\cdot t}\cdot (1-e^{-\lambda\cdot t})}$$

Die \(\sigma\)-Umgebung relativ zum Startwert \(N_0\) ist folglich:

$$\frac{N(t)}{N_0}=e^{-\lambda\cdot t}\pm\frac{\sqrt{e^{-\lambda\cdot t}-e^{-2\lambda\cdot t}}}{\sqrt{N_0}}$$

Die grüne Banane zeigt die 1\(\sigma\)-Umgebung in der \(N(t)\) (bei großen \(N_0\)) mit rund 68 % Wahrschein­lichkeit liegt (dunkler schattiert) und die 2\(\sigma\)-Umgebung in der \(N(t)\) (bei großen \(N_0\)) mit rund 95 % Wahrschein­lichkeit liegt :

Je größer \(N_0\), desto kleiner die relative Abweichung \(N_0\) steht im Nenner. vom Erwartungswert. Es gilt das Gesetz der großen Zahlen. Und die sind beim radioaktiven Zerfall wirklich groß. Wir würfeln hier nicht mit 24 oder 1000 Würfeln. 1 g Uran‑238 enthält 2,5 · 1021 Atome. So viele wie die Sahara Sandkörner. 😮

Aber wie bestimmt man \(\lambda\)? 😕

erstellt von C. Wolfseher