Die Zerfallskonstante \(\lambda\) eines radioaktiven Materials bestimmt also, mit welcher Wahrscheinlichkeit es zerfällt. Aber wie kommen wir an dieses in den geheimnisvollen Tiefen des Atomkerns verborgene \(\lambda\) heran? 🤔
Zum Beispiel In der Praxis arbeitet man meist mit der Aktivität \(A=\lambda\cdot N\) so: Wir messen \(N(t)\) zu einem beliebigen Zeitpunkt \(t\). Und dann \(\Delta\tau\) später nochmal. Die Gleichung
$$N(t+\Delta\tau)=N_0\cdot e^{-\lambda\cdot (t+\Delta\tau)}=\underbrace{N_0\cdot e^{-\lambda\cdot t}}_{N(t)} \cdot \underbrace{ e^{-\lambda\cdot \Delta\tau}}_{\lt \, 1}$$zeigt: \(N(t)\) hat nach \(\Delta\tau\) um den Faktor \(e^{-\lambda\cdot \Delta\tau}\) abgenommen. Die Zeitspanne \(\Delta\tau\), in der sich \(N\) halbiert, nennt man Halbwertszeit \(T_H\). Somit gilt:
$$e^{-\lambda\cdot T_H}=\frac{1}{2}$$
Logarithmieren und auflösen nach \(T_H\)
liefert
mit
\(\ln (2)=-\ln(\frac{1}{2})\)
Kennen wir \(T_H\), kennen wir \(\lambda\) (und umgekehrt). Je kleiner die Zerfallskonstante \(\lambda\) eines radioaktiven Materials ist, desto länger dauert es, bis die Hälfte zerfallen ist.
Eine mathematisch äquivalente Formulierung des Zerfallsgesetzes lautet: $$N(t)=N_0\cdot {\left(\frac{1}{2}\right)}^{\frac{t}{T_H}}$$
\begin{align} N(t)&=N_0\cdot e^{-\lambda\cdot t}\\ &=N_0\cdot e^{-\frac{\ln{2}}{T_H}\cdot t}\\ &=N_0\cdot e^{-\ln{2}\cdot\frac{t}{T_H}}\\ &=N_0\cdot {\left(e^{\ln{2}}\right)}^{-\frac{t}{T_H}}\\ &=N_0\cdot 2^{-\frac{t}{T_H}}\\ &=N_0\cdot {\left(\frac{1}{2}\right)}^{\frac{t}{T_H}}\\ \end{align}
Die Anzahl der radioaktiven Kerne halbiert sich in der Zeit \(t\) rund \(\frac{t}{T_H}\)-mal, egal wann und mit wie vielen Kernen man startet. Beispielsweise hat das 1986 bei der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl freigesetzte Cäsium-137 die Halbwertszeit \(T_H=\) 30 a. 60 Jahre später ist folglich immer noch rund ein Viertel der radioaktiven Nuklide vorhanden: $$N(60 \text{ a})=N_0\cdot {\left(\frac{1}{2}\right)}^{\frac{60 \text{ a}}{30 \text{ a}}}=N_0\cdot {\left(\frac{1}{2}\right)}^{2}=\frac{1}{4}N_0$$ Deshalb werden auch im Jahr 2046 Pilze oder Wildschweine im Bayerischen Wald weiterhin radioaktiv belastet sein.
Pu-239 hat eine Halbwertszeit von etwa 24100 Jahren. $$1 \text{ kg}\cdot{\left(\frac{1}{2}\right)}^{\frac{4000}{24100}}\approx891 \text{ g}$$ Hätten die alten Ägypter vor 4000 Jahren 1 kg Atommüll Pu-239 in der Großen Pyramide von Gizeh deponiert, dann würden heute noch 891 g davon radioaktiv strahlen. Dabei ist das Mutternuklid Pu-239 nur der Start einer ganzen Reihe weiterer radioaktiver Tochternuklide der Uran-Actinium-Reihe. Was wohl unsere Urenkel von uns denken werden? 😡
erstellt von C. Wolfseher