10. Einstein-Addition | v ⊕ c = c
Wie schnell ist der Ball?
Susi misst, dass der Ball mit der Geschwindigkeit \(w'=x'/ \,t'\) fliegt. Die Geschwindigkeit \(v\) des Zugs hat keinen Einfluss auf ihre Messungen.
Peter steht am Bahnhof. Aus seiner Sicht Die Zeitdilatation ist zur Veranschaulichung überzeichnet dargestellt. hat der Ball die Geschwindigkeit
$$ w = \frac{x}{t} = \cssId{Step0}{ \frac{\gamma\left(v\cdot t'+x'\right)}{\gamma\left(t'+\frac{v}{c^2}x'\right)}= } \cssId{Step1}{ \frac{t'\left(v+\frac{x'}{t'}\right)}{t'\left(1+\frac{v}{c^2}\cdot \frac{x'}{t'}\right)}= } \cssId{Step2}{ \frac{v+w'}{1+\frac{v}{c^2}\cdot w'} \,.} $$
„Aus dieser Gleichung folgt, daß aus der Zusammensetzung zweier Geschwindigkeiten,
welche kleiner sind als V, stets eine Geschwindigkeit kleiner als V resultiert.
[…]
Es folgt ferner, daß die Lichtgeschwindigkeit V durch Zusammensetzung mit einer
‚Unterlichtgeschwindigkeit‘ nicht geändert werden kann.“
Bei der Herleitung der Einstein-Addition haben wir die Lorentz-Transformation benutzt, welche \(|v|\lt c\) voraussetzt sonst ist \(\gamma\) nicht definiert .
Die relativistische Dynamik zeigt, dass physikalisch nur \(w'\leq c\) Sinn macht Die Energie, die nötig wäre, um ein massives Teilchen auf c zu beschleunigen, wird unendlich. , wobei das Gleichheitszeichen ausschließlich Teilchen ohne Ruhemasse den Photonen vorbehalten ist.
Unter diesen Voraussetzungen
gilt immer \(v \oplus w' \leq c\).
Für den Alltagsgebrauch \(v,\,w'\lt 10 \% \,c\) dürfen wir den Nenner der Formel getrost 1 setzen und erhalten die gewohnte "Galilei-Addition" der Geschwindigkeiten \(w=v+w'\).
Denken wir uns Susis Ball durch ein von einem \(\beta^-\)-Strahler emittiertes Elektron mit 0,9 \(c\) ersetzt.
Wie schnell ist Licht?
Denken wir uns Susis Ball durch ein Lichtsignal ersetzt.
Legt man auf Unterlichtgeschwindigkeit noch eine Schippe drauf, übertrifft man trotzdem niemals \(c\).
Stell dir vor, du nimmst einen Laserpointer, zielst auf den Mond und wischst mit der Hand einmal schnell von links nach rechts. Der Lichtfleck huscht dann in Sekundenbruchteilen über die Mondhalbkugel und kann so Überlichtgeschwindigkeit erreichen.
Allerdings saust hier kein einzelnes Lichtteilchen über den Mond. Es handelt sich stattdessen um eine Abfolge von immer neuen Photonen, die nacheinander mit \(c\) senkrecht auf die Mondoberfläche prallen. Wie die Tropfen eines von links nach rechts geschwenkten Wasserstrahls eines Gartenschlauchs. Du kannst den Lichtfleck auch nicht benutzen, um eine Nachricht von der linken Mondbasis zur rechten Mondbasis zu schicken. Bei dem Vorgang wird weder ein Teilchen noch Information mit Überlichtgeschwindigkeit bewegt.
Gratuliere! Du hast den Kurs zur Kinematik der SRT abgeschlossen und kannst jetzt beispielsweise auch den relativistischen Dopplereffekt oder die relativistischen Korrekturen bei der Satelliten­navigation verstehen — und erahnen wie es weiter geht.
„Zum Schlusse bemerke ich, daß mir beim Arbeiten an dem hier behandelten Probleme mein Freund und Kollege M. Besso treu zur Seite stand und daß ich demselben manche wertvolle Anregung verdanke.
Bern, Juni 1905.“
Wenn du einen Körper anschubst, erhöht sich sein Impuls: $$F \cdot \Delta t = \Delta p =\Delta (m\cdot v)$$ Da der Körper jedoch niemals Lichtgeschwindigkeit erreichen kann, führt die aufgewendete Beschleunigungsarbeit bei Annäherung an diese Grenze zu immer geringeren Geschwindigkeitszuwächsen, macht den Körper dafür aber immer träger schwerer zu beschleunigen . Mit zunehmender Energie wächst die Trägheit des Körpers.
Nur wenige Monate nach seinem ersten Artikel lieferte Einstein einen (nur drei Seiten langen) Nachtrag „Ist die Trägheit eines Körpers von seinem Energieinhalt abhängig?“ mit dem Ergebnis: $$E=m \cdot c^2$$ Aber das ist eine andere Geschichte …
erstellt von C. Wolfseher