Hubert Schwarz 2018

„Gewonnen und verloren wird zwischen den Ohren”

 

Ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung des Alpenüberquerung 2018 war ein Vortrag von Hubert Schwarz, einer der herausragenden Extremsportler Europas, der sich schon zum zweiten Mal Zeit nahm, am Katherl zu referieren. Zu seinen Leistungen zählen etliche Abschlüsse des Iron Man und Ultra Man, welche die extremsten Triathlonrennen der Welt darstellen. Auch im reinen Radsport hat er großartige Leistungen erreicht, darunter Fahrten mit mehreren tausend Kilometern in unmenschlich kurzer Zeit. Nur ein Beispiel: Martigny – Nizza. 600km mit elf Alpenpässen und insgesamt 14000 Höhenmetern in gut 33 Stunden. Insgesamt hat dieser Mann - grob geschätzt - 300 000 Kilometer in seinen strammen Beinen - Wahnsinn! Dies alles war jedoch nur möglich, indem er eine stahlharte Disziplin an den Tag legte. Das war dann auch der eigentliche Anlass des Vortrags: Die Motivation, trotz Regen, Erschöpfung und einem verdammt steilen Anstieg, einen Pass nach dem anderen mit unerschütterlichem Willen zu verspeisen. Die Überwindung des inneren Schweinehundes, wie Schwarz selbst darlegte, entscheidet in 95% aller Fälle über Sieg oder Niederlage. „Gewonnen und verloren wird zwischen den Ohren!” ist denn auch sein Wahlspruch. Der Körper ist zu so viel fähig, nur die bedeutungslosen Schmerzen und winzigen Muskelkrämpfe verleiten viele Sportler zum Aufgeben. Ungläubiges Staunen, eine Menge Inspiration und einen echten Motivationsschub nehmen wir mit für unsere Vorbereitung der Alpenüberquerung.

 

Michael Hörnig, Q11

Filmemacher Valentin Rapp beim P–Seminar

Zwei Felsen, dazwischen eine Slackline, darunter viele hundert Meter nichts. Ein atemberaubender Anblick in den Dolomiten. Auf knapp 3000m Höhe geht ein durchtrainierter Typ bei Eiseskälte barfuß knapp 500m durch die Wolken – auf einem 2,5cm breiten Band... Wir klicken uns weiter durch tausende solcher Videos von Verrückten, die auf verschiedenste Weisen den großen Kick suchen. Das Angebot an spektakulären Videoclips aus der Welt der Extremsportler ist schier unendlich. Was aber ist es, das uns den einen Film bis zum Ende anschauen lässt, während wir den anderen nach wenigen Sekunden wegklicken? Was packt uns? Woran lässt sich festmachen, wann ein Kurzfilm gelungen ist? Und – welche Typen machen eigentlich solche Aufnahmen? Valentin Rapp filmt seit Jahren alpine Bergsportler bei ihren waghalsigen Unternehmungen. Der junge Oberbayer hat sich vor allem in der Szene der Highliner, die in großer Höhe gespannte Slacklines an allen Orten der Welt begehen, in kurzer Zeit einen Namen gemacht. Ob neuer Free–Solo Weltrekord an den Hunlen Falls in Kanada oder ein einzigartiges Highlineprojekt an der wilden Küste Tasmaniens – Valentin Rapp fängt die Momente voller Adrenalin und die unvergleichliche Schönheit der Kulisse mit seiner Kamera ein und verpackt sie in Clips, die uns mitnehmen in eine Welt voller Freiheit und Abenteuer. Branchengrößen wie Adidas oder Goretex vertrauen auf seine Künste, wenn es darum geht, Outdoorprodukte mit den passenden Emotionen zu verknüpfen.

 

In einer Mischung aus Vortrag und Workshop gibt er im P–Seminar Alpencross Einblicke in sein Metier und vermittelt den Teilnehmern äußerst eindrücklich, dass eine Sammlung aufregender Filmsequenzen, gute Musik und technisches Knowhow beim Filmschnitt bei Weitem nicht reicht, um eine packende Dokumentation der geplanten Alpenüberquerung zu drehen. Eine klare Struktur muss her, Interviews, Perspektivenwechsel und vor allem eine Geschichte, die der Film erzählen soll. Zutaten, die unabdingbar sind und die Vorarbeit erfordern. „Nimm die schwere Kamera mit – es lohnt sich!” Nur gute Bilder liefern einen guten Film. „Denkt bei jeder Einstellung daran, wie es später im Endprodukt aussehen, wie es wirken soll!” Die Geschichte muss der Kameramann beim Filmen schon im Kopf haben. „Die besten Szenen einzufangen ist Anstrengung pur! Wer die Ankunft am Berg filmen will, der muss vorneweg radeln!” Es gelingt Valentin Rapp, nicht nur zu beschreiben, wie man gute Filme macht. Er weckt Neugier und Lust darauf, sofort anzufangen. Die ersten Ideen sind schon im Kopf, Szenen, die erst noch zu filmen sind, spielen sich schon vor dem geistigen Auge der Seminarteilnehmer ab, Pointen und Lacher werden geplant. Bis zur Fahrt im September sind es noch ein paar Monate – der Film beginnt aber schon hier und heute! Wir danken Valentin Rapp für sein Engagement und seine Hilfe. Seine außergewöhnlichen Filme kann man sich unter valentinrapp.blogspot.de ansehen.

 

Harald Fuchs, Robert Schneider

Hubert Schwarz 2016

Von Los Angeles nach Annapolis an der Ostküste – 5000 Kilometer in knapp 10 Tagen. Einmal rund um Australien – 14000 Kilometer in 42 Tagen. Einmal um die Welt – 22000 Kilometer in 80 Tagen. „Was für ein Reisestress!”, denkt der erfahrene Urlauber...

 

Hubert Schwarz nimmt für diese Strecken das Fahrrad. Was den Leser dieser nüchternen Zahlen ungläubig den Kopf schütteln lässt, ist der Auftakt eines wahren Sturms an Superlativen, der die Zuhörer des begeisternden Vortrags des bekannten Extremsportlers mitreißt in eine Welt, in der das Wort „Aufgeben” nicht zu existieren scheint. Von Martigny in den Schweizer Alpen bis nach Nizza sind es über 600 Kilometer. Dazwischen liegen elf Alpenpässe mit insgesamt 14000 Höhenmetern. Hubert Schwarz schafft die legendäre Route des Grandes Alpes 1993 in 33 Stunden und 28 Minuten. Die Schüler und Lehrer zweier P-Seminare sowie des Sport–Additumkurses der Oberstufe lauschen gebannt und rechnen mit – nicht zu fassen! Der Ironman auf Hawaii flößt mit 3,6 Kilometer Ozeanschwimmen, 180 Kilometer Radfahren und einem abschließenden Marathonlauf jedem Hobbyathleten gehörigen Respekt ein – der heute 61jährige bewältigt 1990 beim sog. Ultraman die schier unfassbaren Distanzen 10 Kilometer Schwimmen, 421 Kilometer Radfahren und als krönenden Abschluss einen 84km–Lauf durch die schattenlose Lavawüste Hawaiis. Wie kann man sich nach knapp 20 Stunden Schwimmen und Radfahren am Rande der Leistungsfähigkeit noch für einen Doppelmarathon motivieren? „Gar nicht!”, sagt der, der dies schon geschafft hat. „Mit brennenden Beinen, aufgequollenem Gesicht und geschundenem Hinterteil ist nicht im Entferntesten daran zu denken, weitere sieben Stunden in der sengenden Hitze sportliche Höchstleistungen zu erbringen. So wirst du das nicht schaffen. Aber die nächste Verpflegungsstation nach einer Meile – die kannst du erreichen. Und wenn du dich halbwegs aufrecht bis dorthin geschleppt hast, dann ist auch die zweite Wasserstelle nach der nächsten Meile in Reichweite. Und die dritte auch. Es geht! Immer weiter, die nächste kleine Etappe ist machbar!” „Werde dir über deine Ziele im Klaren! Egal, ob das Ziel Alpenüberquerung oder Abitur unter 2,0 heißt! Mach' dir einen Plan, teile dir dein großes Ziel in kleine erreichbare Teiletappen ein, arbeite diese Stück für Stück ab! Rechne mit allen möglichen Rückschlägen und bereite dich auf diese vor! Und verbanne die Möglichkeit des Scheiterns aus deinem Kopf!” Hubert Schwarz spricht uns Zuhörer direkt an. Er sagt dabei nichts Neues. Wir kennen diese Erfolgsrezepte von erfolgreichen Managern sowie von Superstars des Sports oder des Showbusiness. Hier aber steht ein ehemaliger Kreisjugendpfleger aus Mittelfranken und erzählt weiter von seinen Abenteuern wie andere Leute von ihrer letzten Radtour am Vatertag. Minus 30 Grad Celsius – 38 Teilnehmer machen sich bei Schnee und Eis in Anchorage/Alaska auf ins 600 Kilometer entfernte Fairbanks. Auf den Filmsequenzen sieht man einen vermummten Radfahrer gegen eisigen Wind ankämpfen. Skibrille und Atemmaske verhindern gefrorene Tränen in den Augen und gefrorenen Atem in der Lunge. Gut vorbereitet, Herr Schwarz! Aber es läuft nicht gut. Während die erfahrenen einheimischen Teilnehmer mit Zwillingsbereifung oder sog. Fatbikes antreten, versucht der einzige europäische Teilnehmer die Strecke auf einem nahezu handelsüblichen Mountainbike zu bewältigen. Verwehte Pisten und tief verschneite Querfeldeinpassagen machen dieses Vorhaben unmöglich. Er schiebt die ersten hundert (!!!) Kilometer. Dann findet er einen zugefrorenen Flusslauf, dessen verschneite Eisoberfläche von Schneekatzen– und Pistenraupenfahrern als Straße benutzt und entsprechend planiert wurde. Er nimmt die restlichen 500 Kilometer wieder auf zwei Rädern in Angriff. Nach unermesslich großen Strapazen erreicht der radelnde Sozialpädagoge schließlich Fairbanks – als einer von zwei Teilnehmern! Es folgen Berichte vom Race across America, Weltumrundungen, Erdteildurchquerungen, Kilimandscharobesteigungen in Rekordzeit. Die Nähe des Vortragenden zu den Zuhörern und die Selbstverständlichkeit, mit der er von immer neuen Zielen berichtet, die er sich gesteckt und die er erreicht hat, fasziniert sein Publikum am Katherl! Wir haben uns anstecken lassen von der Begeisterung eines Ausnahmemenschen und hoffen, dass der Schwung und die Inspiration, die uns Hubert Schwarz mitgegeben hat, noch lange nachwirken. Hubert Schwarz hat sich mittlerweile zur Lebensaufgabe gemacht, möglichst vielen Menschen den Glauben zu vermitteln, selbstgesteckte Ziele aus eigenem Antrieb verwirklichen zu können. Er tut dies trotz seines Enthusiasmus mit beneidenswerter Unaufgeregtheit in zahlreichen Workshops, Seminaren und Unternehmungen. Nähere Informationen sind unter www.hubert-schwarz.com zu finden.

 

R. Schneider