„Rotkäppchen muss weinen“: Beate Hanika und Meike Fabian am Katherl

„Wie können sich junge Hobbyautoren Ihrer Meinung nach verbessern?“ Diese und viele weitere Fragen beantwortete die aus Regensburg stammende Autorin Beate Teresa Hanika den Schülerinnen und Schülern der 8. Klassen bei der Lesung am Freitag, den 15. Juli, am Katherl.

 

Dort wurde zunächst aus ihrem bekannten Jugendroman „Rotkäppchen muss weinen“ vorgelesen; darin geht es um die 13-jährige Malvina, welche von ihrem Großvater sexuell missbraucht wird. Bei diesem besonders heiklen Thema spricht die Schriftstellerin die Probleme eines solchen Missbrauchsopfers sehr subtil an, ohne sie jedoch beim Namen zu nennen. Auf die Frage, weshalb sie über solch ein Thema schreibt, erklärte Frau Hanika: „Die Geschichten kommen und dann schreibe ich sie auf. - Das passiert einfach.“ Ihr selber sei so etwas noch nie widerfahren, weshalb sie sich in Foren für Missbrauchsopfer anmeldete, um Erfahrungen zu sammeln. Denn trotz des Titels ist die Geschichte kein Märchen, sondern oftmals traurige Realität. Absolut lesenswert!

 

 

Das zweite Buch, aus dem vorgetragen wurde, entstammt der „Dark Angels“-Reihe, sie schrieb es zusammen mit ihrer Schwester Susanne und es ist im Gegensatz zum „Rotkäppchen“ aus dem Fantasy-Genre. Darin geht es um zwei Schwestern, Dawna und Indie, die zusammen mit ihrer Engel-fanatischen Mutter in ein Landhaus ziehen. „Fantasy schreiben macht viel mehr Spaß, weil man sich weiter ausdehnen kann“, sagt die Autorin dazu. Doch wir sprachen mit unserem Gast nicht nur über die Bücher und das Schreiben, sondern auch ihr Leben interessierte viele von uns. So hat Beate Hanika nach der Schule einige Jahre lang als Model gearbeitet. Dies habe sie allerdings nur gemacht, weil sie nicht wusste, was sie mit ihrem Leben anfangen sollte, erzählte sie uns. Anschließend wechselte sie zum Metier der Fotografin, bis sie 2009 ihr erstes Buch „Rotkäppchen muss weinen“ veröffentlichte und damit gleich für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde. Seitdem sind noch viele weitere Werke von ihr erschienen, wie zum Beispiel „Erzähl mir von der Liebe“ oder „Nirgendwo in Berlin“. Ans Katharinen-Gymnasium brachte Beate Hanika die Schauspielerin, Dozentin und Moderatorin Meike Fabian mit, die den Part übernahm, die ausgewählten Textauszüge mit ihrem großartigen, professionell geschulten Repertoire ausdrucksstark vorzutragen. Nicht nur ich, sondern auch viele meiner Mitschüler fanden den Vortrag und die Bücher von Beate Teresa Hanika sehr ansprechend und spannend und wollen unbedingt einige ihrer Werke lesen.

 

Corinna Köck, 8a

Harald Grill liest am Katherl

„Schritt für Schritt will ich langsamer werden”

 

Harald Grill stammt aus der Oberpfalz, ein Heimatdichter ist er aber nur in einem ganz speziellen Sinn. Am 16. Februar kam der Fleißer–Preisträger von 2003 auf Einladung der Fachschaft Deutsch zu uns ans Katherl, um einen wahren Marathon zu bewältigen. Zunächst präsentierte er vor den versammelten Oberstufenschülern der Q11 sein jüngstes Reiseprojekt, das ihn „hinter drei Sonnenaufgängen in eine andere Welt” führte, und zwar nach Rumänien, Bulgarien und in die Ukraine; ein bei uns eher unbekanntes Stück Europa, das aber gerade in seiner Fremdartigkeit umso faszinierender schillert, besonders wenn es von Grill in seiner unnachahmlich verschmitzten Art plastisch, bunt und nahe an den Menschen, auf die er immer wieder trifft, beschrieben wird. Mit neugierigen Blicken zog er über den Balkan, nahm sich viel Zeit für Land und Leute und ließ, wie er selbst sagt, die „Beschleunigung, die Rennerei, die Hetzerei” unseres Alltags hinter sich. Im zweiten Teil des Vormittags erlebten wir dann, wie geschwind und unnachahmlich sich der Autor auf eine nun ganz andere Zuhörerschaft einstellen kann, denn jetzt kamen unsere „Kleinen”, die gesamte 5. Jahrgangsstufe, in den Genuss einer wahren Performance – Grill demonstrierte den Schülerinnen und Schülern, wie er selbst Bücher schreibt, und zwar anhand seines bekannten Jugendromans „Da kräht kein Hahn nach dir”, der von Bernd erzählt, der nach einem Unfall seines Vaters mit seiner Familie vom Land in die Stadt ziehen muss – anschaulich ist das, so richtig lustig, aber auch mal nachdenklich – die jungen Leute waren begeistert, viele, die das Buch noch nicht kennen, wollen es lesen, am liebsten sofort. Eine Pause gönnte sich Grill auch zwischen den beiden Auftritten nur bedingt, denn da stellte er sich den vielfältigen Fragen der Schülerzeitung und sprach mit den beiden Redakteuren, übers Schreiben, seine Familie, sein Leben auf dem Land, die Zeit des Widerstands gegen die WAA in Wackersdorf und vieles mehr. Beim Schreiben geht es ihm, so Grill, darum, sich selbst einen Überblick zu verschaffen. Gedichte und Geschichten würden gewiss nicht gleich die Welt verändern, aber uns selbst schon, wenn wir es zulassen.

 

Michael Ernest, StD

Anja Mäderer liest vor 10. Klassen

„Mainleid” und „Mainschatten”

 

so heißen die bisher erschienenen, in Würzburg spielenden Kriminalromane von Anja Mäderer, die in diesem Schuljahr ihr Referendariat am Katherl begann. Wie die aufmerksamen Schülerinnen und Schüler erfuhren, hat ihr Verlag diese beiden Titel gewählt, und nicht sie als Autorin, wie man zunächst glauben mag. Frau Mäderer erzählte bei ihrer Lesung vor drei 10. Klassen noch viele weitere interessante und auch lustige Details und Anekdoten aus ihrem Leben als junge Schriftstellerin, gab aber natürlich auch einige Stellen aus ihren beiden spannenden Büchern um die junge Kommissarin Nadja und ihren Kollegen Peter zum Besten, die in den „Frankenkrimis” zwei vertrackte Mordfälle zu lösen haben. Im ersten geht es um eine attraktive Studentin, die in einem nächtlichen Park mit einer Flasche Luxuswein erschlagen wurde, der zweite handelt vom Tod eines Tanzlehrers, der die Ermittler in ein Netz aus Verrat und Eifersucht führt. Anja Mäderers Geschichten heben sich dabei durch ihren erfrischenden, pointierten und bisweilen auch poetischen Schreibstil spürbar und wohltuend von der Durchschnittsware im ja derzeit sehr populären Genre des Regionalkrimis ab.

 

Michael Ernest