Indien 2016

Der erste Tag: 17.10.2016

 

Der erste Tag auf dem indischen Subkontinent geht zu Ende und mit ihm eine Fülle von Eindrücken. Die Inder sind unglaublich gastfreundlich, morgens wurden wir an der Schule DPS Greater Noida alle mit einer Blumenkette und einem Bindi (Tupfen auf der Stirn) geehrt. Neben einem Treffen mit der Schulleiterin Ms Renu Chaturvedi und dem feierlichen „cutting of the cake” gab es eine Einführung in die Projektarbeit, die im Zuge der Förderung durch die Robert-Bosch-Stiftung durchgeführt werden wird. Unter dem Leitthema Nachhaltigkeit werden wir in arbeitsteiliger Gruppenarbeit die Teilbereiche Essen, Landnutzung, Wasser, Energie und Müll beleuchten. Anschliessend endete der Schultag und damit der offizielle Teil des Tages, alle fuhren heim zu ihren Gastfamilien, wo sie den Abend privat verbringen werden.

 

Mittwoch, 19.10.2016

 

Langsam flaut der Jetlag etwas ab und man gewöhnt sich an die Zeitverschiebung. Das ist auch dringend nötig, denn einige müssen schon sehr früh aufstehen, um den Schulbus rechtzeitig zu erreichen. Die letzten beiden Tage standen ganz im Zeichen des Kennenlernens und waren dementsprechend gefüllt mit Aktivitäten innerhalb der Schule.

 

Am Dienstag gab es am Morgen eine Meditation, gefolgt von der Schulhausführung. Mitten in der Führung ergab sich eine spontane Pause im Musikraum, da dort gerade eine Schulband spielte. So blieben wir vor Ort, hörten Lieder, sangen Lieder und vergaßen die Zeit. Nach einem Mittagssnack begaben wir uns in das große Auditorium, wo uns der Bollywood-Film Bajrangi Baijaan gezeigt wurde. Als uns allerdings die indischen Partner während einem der zahlreichen Lieder spontan zum Tanzen aufforderten, entschied sich die Gruppe – größtenteils aus Müdigkeitsgründen – gegen den Rest des Films und für weiteres Tanzen. Danach endete der offizielle Teil des Tages und alle kehrten zu ihren Gastfamilien zurück.

 

Am Mittwoch begann der Tag mit Yoga, worin die meisten vor uns relativ ungeübt sind und die eigentlich leichte Einsteigerübung deshalb schwierig bis unangenehm wurde. Als nächster Programmpunkt stand indischer Tanz auf dem Plan, gefolgt von einem spontanen Spiel und einer Vorstellungsrunde im Auditorium, wo wir vor einer Deutschklasse die uns gestellten Fragen beantworteten, unter anderem sollten wir ein deutsches Lied singen. Mittags trafen wir uns dann im Kunstraum, wo alle ein Lesezeichen mit indischem Motiv anfertigen durften. Damit endete auch dieser Tag und alle Austauschteilnehmer verbrauchten den Rest des Tages bei ihren Familien.

 

Freitag, 21.10.2016

 

Die nächsten beiden Tage widmeten wir uns verstärkt der Projektarbeit des von der Robert-Bosch-Stiftung geförderten Themas Nachhaltigkeit. Der Donnerstag Morgen begann mit einer weiteren künstlerischen Arbeit, diesmal der Gestaltung eines Tontopfes. Hier mussten deutsche und indischen Schüler zusammen arbeiten, hatten sie doch zu zweit nur einen Topf. Die Beziehungen zwischen den beiden Gruppen wurden so deutlich vertieft – ein wichtiges Ziel von Schulaustauschprogrammen. Im Anschluss daran nahm die deutsche Gruppe am Unterricht ihrer indischen Austauschpartner teil, Fazit: indischer Unterricht verläuft anders als bei uns am Katherl. Am störendsten empfanden nahezu alle in der Gruppe die zehn bis zwanzig pausenlos aktiven Deckenventilatoren, die für ein andauerndes Hintergrunddröhnen sorgten, so dass es uns schwer fiel, dem Unterricht konzentriert zu folgen. Am Nachmittag wurde nun das erste der Nachhaltigkeits-Themen theoretisch erarbeitet, das Thema Müll am Beispiel der Müllkippe, der derzeit gebräuchlichsten indischen Lösung. Der weitere Nachmittag und der Abend standen wie üblich privaten Unternehmungen der Gastfamilien zur Verfügung.

 

Am Freitag wurden unsere Aktionen von einem sehr netten Fotografen der Robert-Bosch-Stiftung begleitet, um die Projektarbeit entsprechend professionell zu dokumentieren. Der Tag begann mit einem Ausflug zu einer renaturierten ehemaligen Müllkippe in Delhi, die nun als Park dient. Nach einigen heiteren Aktivitäten mit dem Ziel, das Prinzip einer Müllkippe spielerisch zu erarbeiten, fuhren wir zurück in die DPS. Dort angekommen gab es neben einer weiteren Tanzstunde – diesmal in traditionellen indischen Kleidern, wovon alle ziemlich begeistert waren, auch die Aufbauarbeiten zu einem am Wochenende stattfindenden Fest zu bestaunen. Als die Inder merkten, dass wir uns für die Schulfeier interessierten und uns den dekorierten Schulhof zeigten, beschlossen wir spontan, bei der Dekoration eines Standes zu helfen. Als schließlich der Fotograf die Gruppe verließ, endete der gemeinsame Teil des Tages, der Abend wurde wieder bei den Gastfamilien verbracht.

 

Sonntag, 23.10.2016

 

Als wir heute in die Schule kamen, fanden wir sie noch belebter als sonst: Schüler, Lehrer, Eltern und Bekannte trafen sich zur Schulfeier, deren Aufbauarbeiten wir ja gestern bereits beobachtet und unterstützt hatten. Bei der offiziellen Eröffnungszeremonie hatten wir nun endlich unseren großen Auftritt: wir – auch die begleitenden Lehrer Frau Büchl und Herr Starck – durften den eingeübten Tanz vor versammelten Schülern, Eltern, Lehrern und Ehrengästen präsentieren.

 

Am Nachmittag fuhren wir zu „Namaste Deutschland”, einer Veranstaltung des Goethe-Instituts, bei der alle Schulen der näheren Umgebung ein Projekt auf deutsch präsentieren durften, auch die DPS Greater Noida, unsere Schule, war mit dabei.

 

Anschließend endete auch dieser Tag, der Abend und der folgende Sonntag standen zur freien Verfügung.

 

Mittwoch, 26.10.2016

 

Mittwoch, Mitternacht. Der dreitägige Ausflug nach Jaipur ist zu Ende, wir sind wieder in Greater Noida angekommen.

 

Jaipur liegt im Bundesstaat Rajasthan und gehört neben Agra, wo das weltberühmte Taj Mahal steht (werden wir auch demnächst besuchen), zu den touristisch bekanntesten Orten Nordindiens.

 

Nach der ca. achtstündigen Anfahrt und der merklichen Veränderung der Landschaft um uns herum (mehr Berge, weniger Wasser, mehr Kamele) gelangten wir schließlich in die "Pink City" Jaipur. In den folgenden drei Tagen durften wir ein buntes Programm genießen, das nur durch die in Indien leider allgegenwärtigen Verkehrsstaus gemindert wurde, aber für alle den einen oder anderen interessanten Punkt bereithielt:

 

  • Besuch des Wasserpalastes Jal Mahal
  • Besuch des Erlebnsidorfes Chokhi Dhani Village
  • geführter Besuch des Amer Fort mit abendlicher Light-and-Sound-Show
  • Besuch der Hawa Mahal, dem Palast der Winde
  • geführter Besuch des Jaipur City Palace
  • Besuch der Albert Hall, dem Staatsmuseum Rajasthans
  • Besuch des Straßenmarktes und einem Zentrum für Handwerkskunst

 

Sonntag, 30.10.2016

 

Nach dem gemeinsamen Jaipur-Ausflug verbrachten wir nun die kommenden Tage im Kreis der Gastfamilien, wo nach Belieben ein- oder mehrtägige Touren, Einkaufsbummel, Besichtigungen von Sehenswürdigkeiten und vieles mehr in Angriff genommen werden konnten. Nebenher mussten die Schülerinnen und Schüler aber auch an ihrem Projektthema arbeiten, denn nach den derzeit stattfindenden Diwali-Ferien müssen Präsentation und Poster fertig sein. Davor hatten wir allerdings noch das große Glück, an der Ursache der Schulferien, einem der wichtigsten Jahresfeste der Hindus, teilnehmen zu dürfen, dem Lichterfest Diwali am Sonntag:

 

Wesentliches Element von Diwali sind die Lichter. Waren es ursprünglich nur kleine Öl-Lampen – in Reihen an Fenster oder Eingänge gestellt –, sind es heute zunehmend elektrische Lichterketten, die Wohnhäuser, Geschäfte und Straßen im ganzen Land erleuchten. Manchmal hängt man Lampen in Bäume und platziert Kerzen auf den Dächern. (...) Für viele Hindus, besonders in Nordindien, geht es auf den Tag zurück, an dem Gott Rama mit seiner Frau Sita und seinem Bruder Lakshmana nach 14-jährigem Exil im Dschungel in seine Hauptstadt Ayodhya zurückkehrte, so wie es das Ramayana beschreibt. Da es dunkel war, entzündeten die Menschen Öllampen entlang seines Wegs. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Diwali)

 

Montag, 31.10.2016

 

Immer noch schläfrig vom Diwali-Fest mit seinen Lichtern, Feuerwerken und Böllern trafen wir uns am kommenden Morgen schon um 6:30 Uhr um nach Agra zu fahren. Agra liegt etwas näher als Jaipur, allerdings ist die Strecken deutlich schneller zurückzulegen, da man nicht durch Delhi hindurch muss und die Schnellstraße wirklich gut ausgebaut ist. So lässt sich die Tour prima an einem Tag absolvieren.

 

Agra ist weltberühmt, steht hier doch eines der bekanntesten Bauwerke der Welt, das Taj Mahal. Dieses Grabmahl aus dem 17. Jahrhundert zeigt eindrucksvoll die Baukunst der Mogule. Großmogul Shah Jahan ließ in dem Palast aus weißem Rajasthan-Marmor seine geliebte dritte Frau Mumtaj Mahal bestatten.

 

Ihm selbst war leider nicht vergönnt, sein (wahrscheinlich) geplantes eigenes Mausoleum am gegenüber liegenden Ufer des Yamuna zu vollenden, wurde er doch von seinem Sohn entmachtet und im Agra Fort bis zu seinem Lebensende eingekerkert. Wir besuchten das Taj Mahal und das Agra Fort und fuhren am späten Nachmittag wieder zurück nach Greater Noida.

 

Der folgende 01.11. ist ein Feiertag, an dem die Gruppe vor allem ihre Projektarbeiten fertigstellten.

 

Donnerstag, 03.11.2016

 

Gestern fanden sich wieder alle Schülerinnen und Schüler frühmorgens in der DPS ein. Nachdem uns nur noch wenige Tage verbleiben, machten wir uns an die Abschlussarbeiten, also dem Vortrag der Präsentationen, die zu den einzelnen Themen der Nachhaltigkeit erarbeitet wurden, und der Wiederholung des Tanzes, den wir bereits bei der Schulfeier zeigen durften. Der Nachmittag und Abend war wie üblich frei und von den Gastfamilien nach Belieben zu gestalten.

 

Heute, am Donnerstag, gab es in der Früh ein besonderes Schmankerl der Schule auszuprobieren: Reiten auf den schuleigenen Pferden. Nach diesem sowohl für absolute Anfänger als auch für die beiden versierten Reiterinnen in unserer Gruppe aufregenden Erlebnis ging es zurück in den Konferenzraum, unserem üblichen Aufenthaltsraum, für eine weitere Tanzstunde. Außerdem bemalte dort eine indische Lehrerin Freiwillige mit klassischen oder nicht so klassischen Henna-Motiven.

 

Am Nachmittag war nun unsere offizielle Abschlussfeier, eine Veranstaltung, die die Schule allein für die deutschen Gäste auf die Beine gestellt hatte: Neben einigen Liedern (u.a. "Grün, grün, grün sind alle meine Kleider", gesungen von den fünften Klassen) gab es eine Vorstellung des durch die Bosch-Stiftung geförderten Projektthemas Nachhaltigkeit, kurze Reden der beteiligten Lehrer und Schüler und - natürlich - den einstudierten Tanz. Nach dieser feierlichen Veranstaltung endete auch dieser Tag mit Freizeit in den Gastfamilien.

 

Sonntag, 06.11.2016

 

Freitags stellten die Schülerinnen und Schüler die verbliebenen Präsentationen der Nachhaltigkeits-Themen vor. Anschließend bekamen wir eine kurze Einführung zum Surajpur Wetland, einem artenreichen Naturschutzgebiet mit See und umliegenden Wäldern (http://surajpurwetland-up.com), dem wir sodann mit dem Schulbus auch einen Besuch abstatteten. Dort angekommen wanderten wir zu einem Aussichtsturm und wurden vom Biologielehrer Mr Naqeeb Mehdi über Chancen und Gefahren dieses Gebietes unterrichtet. Nach der Rückkehr zur Schule war der Nachmittag wieder frei.

 

Am Samstag Vormittag waren wir nochmals Ehrengäste beim Scholars' Day, einer Veranstaltung, bei der Schülerinnen und Schüler der DPS ausgezeichnet wurden (sie bekamen Jacken, Medaillen und Pokale geschenkt), die - zum Teil über Jahre hinweg - sehr gute Leistungen erbracht haben. Zu dieser Feierstunde kam auch ein besonderer Gast, Mr. V.K. Shunglu, Vorsitzender des gesamten DPS-Dachverbandes. Wir verließen die Veranstaltung dann gegen Mittag, um noch genügend Zeit zum Packen und für die Fahrt zum Flughafen zur Verfügung zu haben. Abends um 9:20 p.m. Ortszeit startete das Flugzeug über Dubai nach München, wo wir dann sonntags um 7:00 Uhr schließlich ankamen.

 

Zum Abschluss dieses Austausch-Blogs noch einige Zitate der Beteiligten zum Aufenthalt in Indien:

 

"... großer Unterschied zu Deutschland." - Hannah

"Eine sehr interessante Erfahrung." - Julia

"Inder: Die Gastfreundlichkeit in Person." - Julian

"Ein Land der nie endenden Überraschungen" - Antonia

"... aber geil." - Clarissa

"Take every chance you get in life, because some things only happen once." - Marlene

"Mir hat es gefallen internationale Freundschaften zu knüpfen." - Kathlien

"An Indien hat mir die Offenheit und Herzlichkeit der Menschen gefallen." - Viktoria

"To travel is to discover that everyone is wrong about each other." - Daria

"Everything is possible." - Katharina

"I'm happy I'm able to say that I have a second family in India." - Eleonore

"Home is a person, not a place." - Nura

"Ich habe zu viel gegessen..." - Joscha

"Auch wenn du 15 Minuten zu spät bist, in Indien bist du immer noch eine der ersten." - Henrike

"Auch wenn nichts läuft, läuft alles." - Sina

"Sei offen für eine neue Kultur und die neue Kultur ist offen für dich." - Jan

"Es gibt viele Gründe, einen Austausch zu machen. Doch einer der größten ist wohl internationale Freundschaften knüpfen zu können."

"Maza aa gaya" - Hr. Starck